Die römischen Bäder waren kunstvolle, prachtvoll ausgestattete Gebäude und Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Aber auch andere Kulturen wussten die Erholung für Körper und Sinne zu schätzen. Hier kommt also ein Überblick über die kulturellen Unterschiede und Entstehungsgeschichten des Bades!
Mit den ersten Zeugnissen der Menschheit beginnt auch die Geschichte des Badens.
Archäologische Funde beweisen: Nicht nur Ägypter, schon die mesopotamischen Hochkulturen vor gut 4500 Jahren besaßen großzügige Baderäume.
Zu einem integralen Bestandteil der Lebenskultur wurde das Baden mit seiner heilenden, pflegenden und entspannenden Wirkung dann im antiken Griechenland.
Die römischen Bäder waren kunstvolle, prachtvoll ausgestattete Gebäude und Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.
Von Homer wissen wir, dass bereits die frühesten Griechen im 8. Jahrhundert vor Christus die erquickende Wirkung eines Bades zu schätzen wussten. Vom antiken Held und Irrfahrer Odysseus wird berichtet, er habe sich nach einem Raubzug zunächst im Meer gereinigt, um sich dann von der Zauberin Kirke ein warmes Bad in einem Zuber bereiten zu lassen. Keine Seltenheit, denn tatsächlich war bereits zu Homers Zeiten eine Badewanne Bestandteil und Zeichen eines vornehmen Haushalts.
Dabei diente das Baden und das Wasser allgemein nicht nur der Reinigung des Körpers, sondern war auch Seelenmasseur und nicht zuletzt auch ein grosser Kommunikator. Das Baden war überall im weitläufigen Groß-Griechenland voll ins tägliche Leben einbezogen. In den ersten öffentlichen Bädern des alten Hellas traf man sich mit Freunden - zum Plaudern, zum Austauschen des neuesten Stadtklatsches und nicht zuletzt zum hitzigen Politisieren. Kein Wunder, dass die großen Dichter und Denker - ob sie nun Pythagoras, Pindar und Euripides hießen - ein Hohelied auf das Bad sangen und dabei auch die Heilkraft des wohligen Nass rühmten und priesen.
Eine Heilkraft, die Hippokrates (unten auf dem Bild), der berühmteste Arzt der Antike und Vater der Heilkunde, für die Menschheit entdeckte. Wasseranwendungen zu Heilungszwecken fanden in zahlreichen Kurorten wie Kos, Korinth oder Athen Verwendung. Das berühmteste Heilbad stand in Epidaurus, das mit Liegehallen, Musen und Sportanlagen fast wie ein modernes voll funktionstüchtiges Heilbad ausgestattet war.
Aber erst die Römer machten mit ihrem technischen know how das Badewesen zu einem gesellschaftlichen Ereignis der ersten Ordnung.
Großartige Privatbäder oder von den Kaisern dem Volk geschenkte öffentliche Bäder schmückten das städtische Treiben. Sie boten teilweise bis zu 1000 Menschen Platz und waren an den Wänden mit kostbaren Mosaiken und Malereien verziert. Sie prägten entscheidend die römische Kultur, indem sie als Orte der Kommunikation, aber auch als Repräsentanten von Reichtum und Macht fungierten.
Technisch ermöglicht wurden diese den modernen Themenenbädern in Ausstattung und Stil überraschend ähnlichen Badepalästen, durch die Äquadukte, die damaligen Kunstwerken der Sanitärtechnik, die nicht nur die städtische, sondern auch die unterirdische Wasserversorgung sicherstellte.
Ebenso wichtig war die Erfindung des Hypocaustum, einer Luftheizung, durch die die Räume erwärmt werden konnten - die Thermen waren geboren.
Die Römer verbrachten in den vielfältigen Thermalbädern nicht selten mehrere Stunden. Und folgten dabei einem festen Ritual.
Nach einer gemütlichen Plauderrunde im lauwarmen Tepidarium ging es ins Caldarium, einer grossen Badewanne, um zu schwitzen und sich zu entspannen. Es folgten ein Gang ins Heißdampfbad oder gleich der Sprung ins Frigidarium, einem Kaltwasserbecken, und später ein paar Runden im großräumigen Schwimmbad, um seine Glieder wieder zu bewegen.
Von der gesteigerten Lebensfreude der Römer durch die Badetempel profitierten auch die Provinzen des eroberten Weltreiches. Die Thermen wurden zum kulturellen Exportschlager - es fanden sich auch im fernen Kleinasien oder auf der englischen Insel Überreste römischer Thermalbäder.
Die Räume der römischen Thermen Betrachtet man die römische Thermaltechnik genauer, kann man, isoliert von den Umkleide- und Eingangsräumen und Kleiderspinden, ein immer gleiches System von Räumen entdecken, die den zentralen Badetrakt bilden:
das Caldarium (Heißbad, ca. 33 - 42°C)
das Tepidarium ((Lau)warmbad, ca. 23°C) das Frigidarium (Kaltbad ohne Heizung)
und letztendlich die Palaestra (Sportplatz). Die ersten drei liegen innerhalb des Gebäudes, die letzte im Freien. Dazu kamen je nach "Ausstattung" weitere Räume.
Nach Zahlen des Eintrittspreises, der für Frauen bei einheitlich ½ As und für Männer bei einheitlich ¼ As lag, betrat man den Eingangsraum und begab sich von da aus ins Apodyterium, den Umkleideraum, wo es Bänke und Ablagefächer gab. Nun begann der vielstündige Aufenthalt in den Thermen mit dem sportlichen Teil: Sport und Spiel fanden in der Palaestra statt, einer etwa 20 mal 50 Meter großen, teilweise überdachten Fläche. Nach den Leibesübungen betrat der Thermenbesucher nun das Sudatorium, den Schwitzraum, worauf er in das Caldarium, einen sehr heißen und humiden Raum mit alvei, teilweise in den dicken Estrichboden eingelassene Wannen, wechselte. Der Boden des Caldariums war so heiß, dass man dicke Holzsandalen anziehen musste. Danach ging man ins Tepidarium, das mit dem Sudatorium vergleichbar ist, jedoch eine geringere Wärme aufbieten sollte und konnte, da es als Abschwitzraum diente und mit der Restwärme des Caldariums gespeist wurde. Nach dem Aufenthalt hier hatte der Körper jedoch oft noch nicht aufgehört zu schwitzen. Schließlich folgte der reinliche Römer dem Rundgang ins Frigidarium, wo sich entweder ein Kaltwasserbecken befand oder wo dieses als Durchgang zur Piscina (Natatio), einem Kaltwasserbecken im Freien, fungierte. Zum römischen 'Wellness-Programm' in den Thermen gehörten zudem meist eine Massage, eine Friseur- oder Arztbehandlung, entspannendes Lesen in der Bibliothek, Vorträge - und ein Besuch der Taberne.
Gegen Ende der römischen Weltherrschaft wurden die Badeanstalten immer mehr zu "Kathedralen des Fleisches", wie ein Kulturhistoriker formulierte. Aus den riesigen Reinigungs- und Pflegeanstalten waren Orte für erotische Abenteuer und sexuelle Ausschweifungen geworden.