Re: klassisches Volumentraining
von Bion » So 13. Jan 2008, 12:44
2. Trainieren Sie mit schweren Gewichten
Immer wieder hört man den Spruch, daß Bodybuilder zwar große Muskeln haben, aber nur wenig Kraft dahinter steckt. Ok, machen wir uns nichts vor, es gibt wirklich Athleten die es geschafft haben, erstaunlich große Muskeln aufzubauen und dabei doch recht wenig Kraft haben. Nur wäre es ein absoluter Trugschluss daraus zu folgern, daß man auch mit leichten Gewichten große Muskeln aufbauen kann.
Natürlich gibt es große Unterschiede zwischen den Bodybuildern hinsichtlich ihrer Kraftwerte. Hierfür können verschiedene Dinge verantwortlich sein, wie die Verteilung von langsam und schnell kontrahierenden Muskelfasern, die intramuskuläre Koordination, die Empfindlichkeit der Nervenbahnen oder auch einfach nur die Hebelverhältnisse durch unterschiedliche Proportionen. Diese waren aber auch vor Trainingsbeginn bereits vorhanden. Für sich genommen sind dennoch alle Athleten stärker geworden im Laufe ihres Trainingsjahre. Dies haben Sie aber nicht mit leichten Gewichten erreicht.
Es ist ganz einfach: Damit ein Muskel wächst, muß er kräftiger werden. Das können Sie durch die Steigerung der Trainingsgewichte oder durch das Einbauen von Intensitätstechniken bewirken. Stärker werden müssen Sie aber auch bei letzteren.
Verwechseln Sie Kraft aber nicht damit, daß Sie immer mehr Wiederholungen machen. Das hat nur bis zu einem gewissen Punkt Erfolg. In der Regel liegt dieser bei etwa 15, je nach Muskelgruppe vielleicht auch 20 Wiederholungen. Steigern Sie die Wiederholungen hingegen immer weiter, so führen Sie sich immer einen Vergleich zur Leichtathletik vor Augen: Je länger die Strecke ist, die ein Läufer zurücklegen muss, desto weniger Athletisch sind sie. Ein 100m Sprinter hat größere Muskeln als ein 800m- oder gar Langstreckenläufer. Im Bodybuilding bedeutet das, große Muskeln bekommen Sie nicht mit 20, 30 oder noch mehr Wiederholungen mit leichtem Gewicht, sondern nur mit schwerem im niedrigen bis mittleren Wiederholungsbereich.
3. Passen Sie Ihr Training an die Erholungsfähigkeit Ihres Körpers an
Fast jeder, der mit dem Bodybuilding beginnt und Blut geleckt hat, möchte seine Muskeln am liebsten täglich trainieren, um so dem Muskelaufbau noch mehr auf die Sprünge zu helfen. Ein Trugschluss, wie zwangsläufig fast jeder erkennt, der diesen Sport schon länger betreibt. Das einzige was Sie damit erreichen ist einen Zustand des Übertrainings, den wohl größten Feind des Muskelaufbaus überhaupt. Letzteres kann sogar dazu führen, daß Sie mehr Rück- als Fortschritte machen, denn eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein dauerhaftes Muskelwachstum ist neben intensivem Training auch eine anschließende ausreichende Erholung.
Die Dauer bis ein Muskel vollständig regeneriert ist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie Trainingsintensität und Entwicklungsstand, aber auch von Dingen wie Schlafdauer, Ernährung und Anspannung außerhalb vom Sport, z.B. im Beruf. Als Faustregel kann man für Anfänger und mäßig Fortgeschrittene von 48 Stunden für kleine und 72 Stunden für große Muskelgruppen ausgehen. Entscheidenden Einfluss hierbei hat auch das Training bis zum Muskelversagen oder gar darüber hinaus. Beim Workout ohne Muskelversagen können große Muskelgruppen schon nach 2 Tagen wieder trainiert werden. Trainiert man hingegen mit vielen Intensitätstechniken, so kann der Körper auch mal 5 Tage oder länger benötigen.
Der zentrale Knackpunkt hierbei ist letztlich nicht die Erholung des Muskels an sich, sondern vielmehr die maximale Belastungskapazität des zentralen Nervensystems (ZNS). Je weiter Sie den Körper an den Rand des absoluten Muskelversagens trainieren, also den (theoretischen) Punkt, wo Sie ihn auch bei leichter Belastung gar nicht mehr kontrahieren können, desto länger benötigt Ihr ZNS, um sich von diesem Stress zu regenerieren. Entsprechend sind auch die Übertrainingssymptome die gleichen, die Sie in anderen Stresssituationen haben: Gereiztheit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Gliederschmerzen, usw.
Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, daß Sie nur einen bestimmten maximalen Trainingsumfang pro Woche zur Verfügung haben. Auch mit fortschreitendem Entwicklungsstand wächst die Kapazität des ZNS nicht im gleichen Maß wie die Muskulatur. Deswegen nimmt die Trainingsfrequenz der einzelnen Muskelgruppen umgekehrt zur Muskelgröße immer weiter ab, da größere Muskeln eine höhere Intensität in der jeweiligen Trainingseinheit erfordern, um einen erneuten Wachstumsreiz zu erhalten. Ein Anfänger sollte also den jeweiligen Muskel öfters pro Woche trainieren, da er nicht die Intensität eines Fortgeschrittenen erreicht und sich kleinere Muskeln schneller erholen, während ein Fortgeschrittener längere Pausen benötigt und jeden Muskel vielleicht nur noch alle 4-7 Tage trainiert.
4. Halten Sie Ihre Trainingseinheiten kurz...
Sie glauben, um den Körper eines Champions zu entwickeln muss man täglich Stunden im Studio verbringen? Gut, wenn Sie gerne an der Theke sitzen, um nach dem Training noch etwas Konversation zu pflegen, dann mag das zutreffen. Stundenlanges Training ist für einen möglichst massiven Körper aber nur kontraproduktiv.
Ein weiser Mann hat einmal gesagt, daß man entweder intensiv oder lang trainieren kann. Genau letzteres ist aber ein Fehler, den man immer wieder beobachten kann. Da wird in gutem Glauben noch ein Satz mehr gemacht, weil man denkt auf diese Weise den Körper noch stärker zum Wachstum reizen zu können. Das Problem ist aber, daß man ein wirklich intensives Training nicht stundenlang betreiben kann, die Kraftreserven des Körpers werden vorher erschöpft sein, ähnlich wie bei einem Sprinter, der sein hohes Tempo nicht auf die Langstrecke ausdehnen kann.
Manch einer mag jetzt erwidern, daß er durchaus 2 Stunden lang intensiv trainieren kann. Glauben Sie mir, dann haben Sie noch nicht kennengelernt, was intensives Training wirklich bedeutet. Die Erfahrung zeigt, daß bei einem solchen nach 60-75min. die Luft raus ist und die Power stark abnimmt. In dieser Zeit sollten Sie folglich den größten Teil Ihres Krafttraining erledigt haben.
Wenn Sie also Ihr Training intensivieren möchten um noch bessere Fortschritte zu machen, so sollten Sie nicht versuchen immer mehr Sätze zu absolvieren, sondern lieber probieren bei gleichbleibender Satzzahl den Körper immer weiter an seine Grenze zu treiben oder sogar die Satzzahl zu verkürzen. Geeignete Mittel sind hierfür z.B. Drop-Sätze, Intensivwiederholungen, Vorermüdung oder auch negative Wiederholungen. Spätestens mit den Trainingstheorien von Mike Mentzer, der propagierte, daß man mit einem Satz einen Muskel mit einem optimalen Wachstumsreiz versehen kann, hat in dieser Hinsicht ein klarer Umdenkprozess im Bodybuilding stattgefunden.
Natürlich bedeutet das nicht, daß Sie den Körper eines Mr. Olympia in Einheiten von 30 Minuten Dauer aufbauen können. Alleine der realistische Blick auf einen solchen Champion sollte klar machen, daß solche Aussagen Unsinn sind. Es heißt aber auf der anderen Seite auch nicht, daß Sie hierfür Stunden um Stunden im Studio verbringen sollten.

There are two important things for full success in life:
1. Don´t tell everything you know.